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Lebenssituation von Heimbewohnern

14. Februar 2018

    Lebenssituation von Heimbewohnern

    Über die Wohn- und Lebensumstände in Pflegeheimen gab es bisher bundesweit keine aussagekräftigen Daten. Das Projekt „Bündnis 70 plus – medizinische Versorgung von Pflegeheimbewohnern“ hat nun erstmals eine entsprechende Studie im Nürnberger Klinikum und dem Nürnberg Stift durchgeführt. Dabei wurden 120.000 Datensätze zu stationären Krankenhausaufenthalten von über 65-Jährigen herangezogen. Verglichen wurden unter anderem Aufenthaltsdauer und Einlieferungsdiagnosen von Pflegeheimbewohnern mit denen von Senioren, die noch in den eigenen vier Wänden leben. Die Besonderheit der Untersuchung: In Interviews kamen sowohl 368 Heimbewohner als auch elf Ärzte und 37 Pflegende zu Wort.

    Behandlung im Krankenhaus ist sehr stressig

    Die Studie ergab, dass Heimbewohner zwar etwas häufiger ins Krankenhaus eingewiesen werden, dort jedoch nicht deutlich länger als Nicht-Heimbewohner bleiben. Die Behauptung, dass Heimbewohner nachts und am Wochenende häufig in Krankenhäusern „geparkt“ würden, bestätigte sich nicht, ebenso wenig wie der „Drehtüreneffekt“. Er besagt, dass Patienten, die aus Kostengründen zu früh entlassen werden, aber noch nicht vollständig geheilt sind, häufiger einen Rückfall erleiden und schließlich wieder in die Klinik müssen. Grundsätzlich wurde festgestellt, dass ein Aufenthalt im Krankenhaus für die Betroffenen sehr belastend ist. Nach der Rückkehr ins Pflegeheim gaben viele Bewohner an, gefühlsmäßig „in ein Loch zu fallen“. Sowohl geistig als auch körperlich machten sie Rückschritte und waren weniger selbstständig und mobil als vorher.

    Depressionen im Pflegeheim verbreiteter als angenommen

    Neben den Krankenhausaufenthalten lag der Fokus der Studie auf den allgemeinen Lebensumständen von Heimbewohnern. Dabei bestätigte sich aufgrund der Selbsteinschätzungen der Befragten die Hypothese, dass Bewohner häufig unter chronischen Schmerzen und kognitiven Einschränkungen leiden. Außerdem sind depressive Zustände wohl deutlich weiter verbreitet als bisher angenommen. Ein Grund dafür könnte eine Lücke in der gerontopsychiatrischen Versorgung sowie in der fachärztlichen Betreuung von Seh-, Hör- und Gehbehinderungen sein. Das ergab eine weitere Studie, die von der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege erhoben wurde. Demnach besuchten Fachärzte Pflegeheimbewohner weit weniger häufig, als medizinisch notwendig wäre. Allerdings könnte fast jeder fünfte Bewohner seinen Alltag selbstständiger gestalten, wenn gezielte therapeutische Maßnahmen eingeleitet und die Unterstützung durch Hilfsmittel optimiert würden.

    Beide Studien zeigen neben wissenschaftlichen Erkenntnissen auch konkretes Verbesserungspotenzial in den Bereichen Qualitätsmanagement und Mitarbeiterschulungen auf. Pflegekräfte müssen stärker für das Thema psychischer Erkrankungen sensibilisiert werden, um bereits in einem frühen Stadium gegenzusteuern zu können.