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Interkulturelle Beratung für Senioren

13. April 2018

    Interkulturelle Beratung für Senioren

    Während der Wirtschaftswunderjahre kamen zahlreiche Migranten nach Deutschland, um hierzulande zu arbeiten – vor allem in der produzierenden Industrie. Viele von ihnen blieben, gründeten eine Familie, bauten sich eine Existenz auf – und sind inzwischen im Rentenalter. Mehr als 400.000 über 75-Jährige mit Migrationshintergrund leben heute in der Bundesrepublik. Wie viele Senioren benötigen sie eine angemessene Unterstützung. Aufgrund ihrer anderen kulturellen Prägung haben sie jedoch häufig Wünsche und Bedürfnisse, die sich von denen deutschstämmiger Senioren unterscheiden. In Augsburg bietet das interkulturelle Netzwerk Altenpflege (ina) seit einigen Jahren Beratung und Unterstützung für diese Klientel, insbesondere für türkischstämmige Migranten.

     

    Informationen für schwierige Situationen

     

    Auf dem Internetportal des ina, aber auch im Beratungsbüro und bei den regelmäßig angebotenen Treffen finden Senioren und ihre Angehörigen Unterstützung in allen Lebenslagen. Das reicht von einer türkischsprachigen Betreuungsgruppe für pflegebedürftige, demente oder einsame Senioren über einen Helferkreis, der auch Hausbesuche macht, bis hin zu umfassenden Informationen für jede Situation. Betroffene Familien finden dort beispielsweise Checklisten für Krankenhausaufenthalte ihrer betagten Angehörigen. Häufige altersbedingte Krankheiten werden für Laien verständlich erklärt. Eine Erläuterung des deutschen Sozialversicherungssystems soll bei der Finanzierung der Versorgung ebenso wie bei der Orientierung im Umgang mit Ämtern und Einrichtungen helfen. Auch für den Sterbefall wird alles Wichtige übersichtlich aufgelistet. Dies reicht bis hin zu Beerdigungshilfen für Muslime, die in ihrer Heimat begraben werden wollen.

     

    Beratung und Information auch für Pflegende

     

    Anbieter von Pflegedienstleistungen, ob ambulant oder stationär, stehen ebenfalls vor Herausforderungen. Unterschiedliche Kulturen und sich daraus ergebende Vorstellungen und Erwartungen führen häufig zu Missverständnissen. Auch die Religion spielt, gerade für Senioren, oft eine wichtige Rolle. Mangelndes Verständnis kann dazu führen, dass sie sich ausgegrenzt oder herabgesetzt fühlen. Das ina bietet Pflegern, ehrenamtlichen Helfern und Interessierten deshalb Lehrgänge und Vorträge sowie schriftliche Informationen zur Kultur der Migranten an. Der Fokus liegt dabei auf türkischstämmigen Senioren, weil sie in der Region Augsburg den größten Anteil der Betroffenen stellen. Das Netzwerk betont jedoch, dass es im Umgang mit Senioren jeglicher Herkunft vor allem darauf ankommt, ihnen respektvoll und mit Akzeptanz zu begegnen, unabhängig von ihrem sprachlichen und kulturellen Hintergrund.